Miteinander im Alter oder die Frage WIE du älter werden möchtest

Meine Oma wohnte in einer sehr kleinen Wohnung in der Nähe des Bahnhofs im zweiten Stock. Im Wohnhaus war kein Lift, daher musste sie immer die Stiegen nehmen. Seit geraumer Zeit war sie mit Krücken unterwegs. Das Rauf und Runter war beschwerlich, aber nicht unmöglich. Dennoch fand ihr liebstes Miteinander mitten in ihrem Wohnzimmer statt. Die Nachbar:innen kamen regelmäßig zur Kartenspielrunde bei ihr zusammen. Dort wurde laut gelacht, gut gegessen und viel Freude gehabt. Meine Oma war ein fröhlicher, nahbarer Mensch. Außerdem war sie glücklich, wenn sie andere Menschen mit ihren deftigen Schmankerln verwöhnen konnte. Sie war bei allen immer sehr beliebt. Oft erinnere ich mich an sie zurück.

Und gleichzeitig weiß ich, dass ich es anders machen möchte. Wahrscheinlich werde ich mich auch nie mit einer Kleiderschürze kleiden. Ich sage damit nicht, dass etwas falsch war, sondern dass wir alle unsere Vorfahren haben, die in gewisser Weise Vorbilder waren. Entweder gab es Eigenschaften und Verhaltensweisen, die man auf jeden Fall nachahmen möchte oder es gab Dinge, die man auf jeden Fall anders machen möchte. So entstehen von Generation zu Generation andere Herangehensweisen.

Alter betrifft uns alle, wie wollen wir damit umgehen?

Aus meiner Sicht ist wichtig zu bedenken: es gibt nicht nur diesen einen Weg. Es gibt unzählige Möglichkeiten sein Leben beim Älter werden zu bestimmen und zu lenken. Was ich immer noch im Umfeld erlebe, ist eine große Angst davor. Man hat Bilder im Kopf von Vereinsamung, von leidigen Krankheiten und von vielen Sorgen. Man macht sich Gedanken, ob man genug finanziell vorgesorgt hat, ob es genug Pflege geben wird oder wie Verwandte mit einem selbst umgehen werden. Das ist vollkommen legitim und diese Ängste sind da.

Doch was wäre, wenn wir schon frühzeitig dafür sorgen, dass wir positive Bilder des Älterwerdens für uns selbst kreieren?

Kürzlich hat sich eine neue sportliche Welt für mich geöffnet: Menschen, die über Parkbänke springen, Mauern raufklettern und auf Geländern balancieren. Dinge, die ich in meinen 30igern bzw. auch 40igern gänzlich ausgeschlossen für mich gehalten habe. Die Personen, denen ich zusah, waren alle jenseits der 50, 60 und sogar 70. Gelenkige Menschen, die Muskel hatten und regelmäßig in Bewegung waren. Das hat mich beeindruckt und mir die Idee gegeben, dass es geht.

Also beschloss ich meine Angst zu überwinden und schloss mich einer Gruppe an, die ein ähnliches Bewegungskonzept verfolgte. Dank viel Ermutigung, einer Schritt für Schritt Herangehensweise und absolut wertschätzender Kommunikation seitens des Trainers, aber auch der Gruppe, gelang es mir meine eigene Angst zu überwinden und plötzlich Dinge für möglich zu halten, die zunächst absolut ausgeschlossen waren. Und tatsächlich: nach kurzer Zeit schon, stellte sich Erfolg ein.

Mein Beispiel entspringt der Welt des Sports, es könnte aber auch aus dem Alltag sein: zu Veranstaltungen zu gehen, wo man dachte „man sei zu alt dafür“ oder ein neues Hobby oder Projekt zu starten. Es ist echt viel möglich, wenn man etwas grundsätzlich für erreichbar hält!

Was es leichter macht: Menschen, die ähnlich neugierig sind und ein ähnliches Bild von der Zukunft haben. Gemeinsam ist es einfacher loszulegen und Neues geschehen zu lassen.

Im heutigen Artikel möchte ich ein Beispiel von mehreren ganz konkret vorstellen: den Verein Alter.nativ.

Der Verein Alter.nativ

An dieser Stelle zitiere ich die Worte des Vereins:

alter.nativ ist ein Coachingverein für alle, denen Altwerden in Menschenwürde ein Anliegen ist.

Noch nie war Leben so lang und so relativ gesund möglich wie heute. Es gilt nun, diese geschenkte Zeit auch sinnerfüllt leben zu können. Der Verein alter.nativ stellt sich die Aufgabe, gute Wege des Altwerdens zu entdecken, zu begleiten und durch den persönlichen Einsatz seiner Mitglieder zu fördern. Dies schließt bei Bedarf neue, brauchbare Lebens-, Wohn- und Nachbarschaftsformen mit ein.

Viele Entdeckungen der letzten 50 Jahre über den 6. Kontinent, den Kontinent der Menschlichkeit, bestätigen den Einfluss eines verständigen Geistes auf unsere tierische Natur. Die Beweglichkeit von Körper und Geist, Selbstkompetenz, Selbstheilungskräfte, Resilienz und Regenerationsfähigkeit der Menschen müssen erst gelernt werden, damit sie gute Plätze in unseren Köpfen finden. Und damit sie sich im veränderten Alltag bewähren. Altwerden in diesem Sinne bedeutet also die bewusste und geplante Anwendung und Weiterentwicklung wissenschaftlicher und persönlicher Erkenntnisse, die geeignet sind, Zufriedenheit und Authentizität zu fördern.

Aktiv, selbstbestimmt und dennoch auf Gemeinschaft bezogen, nützen wir die Freiheit, die uns Menschen vergönnt ist, für neues Leben in und um uns.

Wenn dich das Konzept anspricht, dann komm gern dazu:

Verein „alter.nativ“, Leopoldgasse 17, 3430 Tulln, alter.nativ@aon.at (Obfrau Christa Gutmann)

Fazit

Ob am Kartenspieltisch meiner Oma oder auf der Parkbank, über die jemand mit 65 balanciert – im Kern geht es immer um dasselbe: selbst zu gestalten, wie wir älter werden, und das nicht allein zu tun. Vereine wie alter.nativ zeigen, dass es dafür keine Blaupause braucht, sondern Menschen, die sich gegenseitig ermutigen, Neues für möglich zu halten. Vielleicht ist es der erste Schritt in eine Bewegungsgruppe, ein Gespräch mit Nachbar:innen oder einfach die Entscheidung, ein altes Bild vom Altwerden loszulassen. Wichtig ist nur: anzufangen, gemeinsam mit anderen, die genauso neugierig auf das sind, was noch kommt.