Letztes Wochenende war es wieder soweit: die internationale Gartenbaumesse zeigte in der Gartenstadt Tulln fünf Tage lang was es so Prachtvolles im Blumen-, Pflanzen- und Gartenbereich gibt. Viele Besucher*innen von nah und fern strömten in unsere Heimatstadt und bestaunten kunstvolle Installationen der regionalen Gärtner*innen. Ein Moment im Jahr, wo ein ganz besonderer Fokus auf unseren Grünraum gelegt wird.
Problematisches Miteinander mit Neophyten
Dabei gibt es leider auch wenig erfreuliche Themen, die das Miteinander im Pflanzenreich negativ beeinflussen: sogenannte Neophyten. Das sind invasive Arten, die besonders resistent sind, keine natürlichen Feinde haben und sich dadurch extrem ausbreiten. Daraus entstehen negative Effekte wie das Verdrängen anderer Arten, das Auslaugen von Böden oder weniger Angebot für Bienen und andere Insekten. Wichtig zu betonen ist: nicht alle eingebrachten Arten sind gleich negativ zu beurteilen. Es gibt zum Beispiel eine Reihe an Gemüsen, die bei uns früher auch nicht heimisch waren (zB Mais, Erdäpfel…) und die einen großen Vorteil brachten. Nur, wenn es zu massiver Ausbreitung und Verdrängung kommt – wie zum Beispiel im Falle des japanischen Staudenknöterich – wird eine Pflanze zum Problem.
So wird in Tulln damit umgegangen
Besonders der bereits genannte japanische Staudenknöterich, das Springkraut oder Ragweed sind problematisch in der Ausbreitung. In Tulln hat der Bauhof mit seinem Team rund um unseren Stadtgärtner die Orte der zu beobachtenden Neophyten in einem Kataster erfasst, um die Übersicht zu bewahren. Mehrmals im Jahr wird ein spezielles Mähprozedere durchgeführt. Man muss sehr vorsichtig arbeiten und den Mäher danach gut reinigen, um die Samen nicht weiter zu verbreiten. Auch der Grünschnitt muss speziell behandelt werden. Insgesamt eine Monsteraufgabe mit viel Aufwand, ein „Kampf gegen Windmühlen“ – dem sich das Team laufend stellt.
Diese Pflanzen sind faszinierend, weil sie äußert widerstandsfähig sind. Auch wenn diese mehrmals im Jahr gemäht oder ausgerissen werden: sie kommen immer wieder. Manchmal in kleinerer Population, aber ohne weitere Aufmerksamkeit würden sie nach kürzester Zeit wieder ganze Landstriche zuwachsen.
Bürgerengagement möglich?
Das Thema Neophyten beschäftigt auch Bürgerinnen und Bürger – einerseits im heimischen Garten, andererseits im öffentlichen Grünraum. So kam die Frage an uns: „Ist es möglich eine Aktion zu starten und zusammenzuhelfen, um Neophyten zu dezimieren?“ Nach Rücksprache mit dem Bauhof-Team kann die Frage klar mit „ja“ beantwortet werden, jedoch gilt es einiges zu beachten.
Wichtige Rahmenbedingungen
Denkbar wäre der Zusammenschluss zu „Einsatztrupps“, die sich um bestimmte Neophyten-Standorte (vor allem im direkten Stadtgebiet) kümmern. Optimal wäre ein Einsatz drei Mal im Jahr, um die Pflanzen (japanischer Staudenknöterich, Ragweed) auszureißen. Jedoch ohne Druck: wenn jemand nur einmal mithelfen kann / will, ist ebenso etwas getan! Wichtig ist die Rücksprache mit dem Bauhof, damit eine Mulde für diesen Grünabfall bereit gestellt werden kann. Dieser sollte möglichst ohne Kontakt mit anderen Flächen gesondert entsorgt werden. (NICHT EINFACH IN DIE DONAU WERFEN oder in angrenzende Wiesenflächen!!!) So könnten bestimmte Gebiete regelmäßig von Bürger*innen zusätzlich zum Bauhofteam betreut werden. Viele Hände, schnelles Ende, sagt man landläufig.
Hast du Interesse dich zu diesem Thema einzubringen?
Melde dich bei uns unter hallo@stadtdesmiteinanders.at.
Miteinander über das Thema sprechen
Zu guter Letzt noch ein Hinweis: immer wieder beobachte ich Diskussionen unter einander über bestimmte Pflanzen, die eher Anfeindungen gleichkommen. Denn einige der Neophyten haben sich als beliebte Arten im eigenen Garten etabliert, Stichwort Kirschlorbeer. Dies kann schon einmal eine Nachbarschaft auf die Probe stellen.
Wichtig ist doch sich darüber auszutauschen und seine Sorgen, Bedenken und Ängste dazu zu teilen. Vielleicht ist der Wissensstand zum Thema Neophyten nicht gegeben, vielleicht ist es hilfreich zunächst Daten und Fakten zu teilen, bevor das Verhalten des Nachbarn negativ bewertet wird. Wir alle dürfen hier dazulernen und wertschätzend damit umgehen. Sollten Pflanzen dennoch zum großen Konflikt führen, dann bitte nicht zögern und unsere Sprechstunde für Nachbarschaftskonflikte um Rat fragen.
Interessantes und Weiterführendes zum Thema:
Neophytenliste in Österreich
Steckbriefe Neophyten der Bundesforste