Wie die Gestaltung von Rahmenbedingungen unser Miteinander beeinflusst

Es ist nicht wurscht, wo ich eine Pflanze im Garten hinsetze: Licht, Schatten, Wasser, Erde und Nährstoffe bestimmen darüber, ob sie verkümmert oder ein großartiger Strauch wird. Und so verhält es sich auch mit uns und unserem Miteinander. In diesem Beitrag erfährst du, was wir unter Rahmenbedingungen in der realen und digitalen Welt verstehen und wie wir diese gestalten, um das Miteinander in Tulln zu fördern. Wir erhoffen uns dadurch mehr Bewusstsein vor allem für Mechaniken der digitalen Welt (und was sie bewirken) für unsere Leser:innen, sowie Inspiration für dich und deinen privaten Bereich.

Gelungene Rahmenbedingungen für Gruppen

Du bist bestimmt schon einmal zum ersten Mal zu einer Gruppe hinzugekommen: ein Verein, ein Hobby, eine Schulklasse oder ähnliches. Was hat dir dort den Einstieg erleichtert und was erschwert? Es könnte sein, dass es angenehm war, zunächst alle anderen der Gruppe besser kennen zu lernen, die Namen zu hören. Auch ein schöner, angenehmer Raum könnte für dich die Situation erleichtert haben. Vielleicht gab es eine Person, die dich freundlich und offen willkommen geheißen hat. Das sind meist die ersten, entscheidenden Eindrücke.

Unsichtbarer sind dabei die weiteren Spielregeln, die für eine bestimmte Gruppe wirken. Was soll sein, was nicht. Was ist ok, was nicht. Wo gibt es Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede? Gibt es jemand, der darüber den Überblick hat, der die Gruppe leitet und auf die Einhaltung der Spielregeln wacht?

In gelungenen Gruppen ist genau das meist klar geregelt, auch wenn es nirgends aufgeschrieben steht. Es gibt eine Person oder ein kleines Team, das den Hut aufhat, das neue Mitglieder begrüßt, das bei Unstimmigkeiten vermittelt und das dafür sorgt, dass sich niemand dauerhaft in den Vordergrund drängt oder andere überstimmt. Interessant ist dazu ein Modell, das der amerikanische Psychologe Bruce Tuckman schon 1965 entwickelt hat und das bis heute als Standardwerk der Gruppenforschung gilt: Jede Gruppe durchläuft demnach typische Phasen. Am Anfang steht das vorsichtige Kennenlernen, danach folgt fast zwangsläufig eine Reibungsphase, in der sich Meinungsverschiedenheiten und kleinere Konflikte zeigen, bevor sich gemeinsame Regeln einspielen und die Gruppe schließlich produktiv und stabil zusammenarbeitet. Das Wichtige daran: Reibung am Anfang ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft, sondern ein ganz normaler Teil davon, dass aus Einzelpersonen eine Gruppe wird.

Was diese Phasen gut übersteht, hat oft mit einem Faktor zu tun, den der Suchmaschinen-Konzern Google in einer mehrjährigen internen Studie namens „Projekt Aristoteles“ untersucht hat. Google wollte herausfinden, was die eigenen leistungsfähigsten Teams gemeinsam haben, und analysierte dafür über 180 Teams. Das überraschende Ergebnis: Nicht die Zusammensetzung der Gruppe oder die Kompetenz einzelner Personen war der entscheidende Faktor, sondern etwas, das Fachleute „psychologische Sicherheit“ nennen, also das Gefühl, auch eine unbequeme Meinung oder einen Fehler offen ansprechen zu können, ohne dafür bloßgestellt oder abgestraft zu werden. Übertragen auf Vereine, Nachbarschaftsinitiativen oder ehrenamtliche Gruppen heißt das: Eine Gruppe, in der Kritik und auch mal ein „das sehe ich anders“ Platz haben, hält langfristig besser zusammen als eine, in der vermeintliche Harmonie um jeden Preis gewahrt wird.

Das Gegenteil kennst du wahrscheinlich ebenso: Gruppen, in denen sich mit der Zeit Grüppchen bilden und Neue kaum eine Chance haben, wirklich anzudocken. Wo ungeschriebene Regeln herrschen, die nur die „Alteingesessenen“ kennen und in die man sich mühsam hineintasten muss. Wo eine einzelne Person den Ton angibt und Widerspruch nicht gern gesehen ist. Oder wo schlicht niemand Verantwortung übernimmt, wodurch Konflikte einfach schwelen, bis jemand aus Frust fernbleibt.

Was kannst du selbst dazu beitragen, egal ob du Teil einer Gruppe bist oder eine leitest? Als Mitglied hilft es oft schon, aktiv auf neue Gesichter zuzugehen, bevor sie sich fragen müssen, ob sie überhaupt erwünscht sind. Als jene Person, die den Hut aufhat, lohnt es sich, von Anfang an Klarheit zu schaffen: Was ist uns wichtig, wie gehen wir miteinander um, wer kümmert sich worum. Und es hilft, der Reibungsphase mit Gelassenheit zu begegnen, statt sie als Scheitern zu werten. Klarheit ist selten unangenehm, Unklarheit dagegen fast immer.

Gelungene Rahmenbedingungen für digitale, öffentliche Plattformen wie Facebook

Ganz anders sieht die Sache aus, sobald wir den Raum verlassen und uns online bewegen, zum Beispiel auf Facebook. Was du dort in deinem Newsfeed siehst, ist keine neutrale Abfolge von Beiträgen, sondern eine Auswahl, die ein Algorithmus für dich getroffen hat. Dahinter steckt kein böser Wille im klassischen Sinn, sondern ein einfaches wirtschaftliches Ziel: Du sollst möglichst lange auf der Plattform bleiben, möglichst oft klicken, kommentieren und teilen, denn je mehr du das tust, desto mehr Werbung siehst du und desto mehr verdient das Unternehmen dahinter.

Wie stark sich das auf das auswirkt, was wir zu sehen bekommen, zeigt eine der bekanntesten Studien zu diesem Thema, durchgeführt von Forschenden des Massachusetts Institute of Technology und veröffentlicht 2018 im renommierten Fachjournal Science. Das Team um Soroush Vosoughi, Deb Roy und Sinan Aral analysierte rund 126.000 Nachrichtenkaskaden, die über zwölf Jahre hinweg von mehreren Millionen Menschen auf Twitter geteilt wurden. Das Ergebnis: Falschmeldungen verbreiteten sich sechsmal schneller als wahre Nachrichten und erreichten 1.500 Menschen in einem Bruchteil der Zeit, die wahre Nachrichten dafür brauchten. Falschmeldungen wurden zudem um 70 Prozent häufiger weiterverbreitet als korrekte Informationen. Besonders aufschlussreich: Es waren nicht automatisierte Bot-Konten, die dafür verantwortlich waren, sondern echte Menschen, die falsche, überraschende und emotional aufwühlende Inhalte lieber teilten als nüchterne, korrekte. Wahre Nachrichten lösten in den Reaktionen darauf eher Traurigkeit, Vorfreude, Freude und Vertrauen aus, falsche dagegen Überraschung, Angst und Abscheu.

Auf genau diese Verstärkung von Wut und Empörung macht auch die österreichische Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig seit Jahren aufmerksam, unter anderem in ihrem mit dem Bruno-Kreisky-Preis ausgezeichneten Buch „Hass im Netz“. Sie verweist dabei auf eine Untersuchung der Forscher Cho und Acquisti, wonach Kommentare mit aggressiven oder beleidigenden Formulierungen auf Nachrichtenseiten mehr Zustimmung in Form von Likes erhielten als sachliche, ruhige Beiträge. Ihre Erklärung dafür bringt sie auf eine einfache Formel: Wer im Netz Wut sät, erntet Likes, weil genau das die Aufmerksamkeit anderer auf sich zieht. Brodnig macht außerdem auf einen zweiten Faktor aufmerksam, der diesen Effekt noch verstärkt: Fehlt der direkte Blickkontakt, wie es beim Kommentieren im Internet der Fall ist, sinkt unsere natürliche Hemmschwelle spürbar. In einem von ihr angeführten Experiment mit Webcams etwa fielen deutlich weniger Beleidigungen und Drohungen, sobald sich die Beteiligten dabei tatsächlich gegenseitig sehen konnten. Genau das erklärt, warum Empörung und Aggression gerade im rein textbasierten Austausch auf Plattformen wie Facebook so leicht eskalieren, ganz ohne, dass irgendjemand sein Gegenüber je persönlich getroffen hätte.

Dass das kein Zufall, sondern Teil der Funktionsweise ist, wurde besonders deutlich durch interne Recherchen, über die das Wall Street Journal 2020 und erneut 2021 durch die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen berichtete. In einer internen Präsentation aus dem Jahr 2018 hielt das eigene Forschungsteam von Facebook fest: „Unsere Algorithmen nutzen die Anfälligkeit des menschlichen Gehirns für Spaltung aus“ („our algorithms exploit the human brain’s attraction to divisiveness“). Das Unternehmen wurde intern davor gewarnt, dass ohne Gegenmaßnahmen zunehmend spaltende Inhalte ausgespielt würden, um die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen zu halten. Vorgeschlagene Änderungen wurden jedoch aus Sorge, dabei vor allem eine politische Seite zu benachteiligen, nur zögerlich oder gar nicht umgesetzt.

Reguliert wird das mittlerweile teilweise, aber noch lange nicht ausreichend. Seit 2024 verpflichtet der Digital Services Act der EU sehr große Plattformen wie Facebook dazu, offenzulegen, nach welchen Grundzügen ihre Algorithmen Inhalte auswählen, und mindestens eine Alternative anzubieten, die nicht auf persönlichen Daten basiert, etwa eine rein chronologische Reihenfolge. Seit April 2023 müssen diese Plattformen zudem jährlich einschätzen, welche gesellschaftlichen Risiken von ihren Diensten ausgehen, einschließlich jener, die durch algorithmisch verstärkte Inhalte entstehen. In der Praxis hakt es dabei aber noch erheblich, wie unter anderem die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrer Analyse festhält: Die verpflichtenden Risikoberichte sind bislang nicht öffentlich einsehbar und folgen keinem einheitlichen Standard, viele nationale Aufsichtsbehörden stehen personell und technisch noch am Anfang, und selbst Entwickler:innen können die komplexen Systeme oft nicht mehr vollständig nachvollziehen. Am grundlegenden Geschäftsmodell, das Aufmerksamkeit über starke Gefühle erzeugt, ändert das bisher wenig. Am Ende entscheidest du also nach wie vor selbst, wie bewusst du mit dem umgehst, was dir vorgespielt wird.

Ein gutes Gegenbeispiel liegt uns hier in Tulln viel näher, als man denkt: unsere Nachbarschaftsapp Hoplr. Der große Unterschied: Hoplr ist keine offene, öffentliche Plattform, sondern eine geschlossene, werbefreie Gruppe echter Nachbar:innen, deren Adresse tatsächlich überprüft wird, ergänzt um konkrete, von uns selbst verwaltete Spielregeln, an die sich alle halten. Niemand versteckt sich hinter einem anonymen Fantasienamen, jede und jeder steht mit dem eigenen Gesicht und der eigenen Adresse für das, was sie oder er schreibt. Eine belgische Studie von Forschenden der Universität Gent, veröffentlicht 2022 in der Fachzeitschrift Media and Communication, hat genau solche Netzwerke untersucht und dafür über 3.000 Hoplr-Mitglieder aus 150 Nachbarschaften befragt. Das aufschlussreiche Ergebnis: Nicht möglichst viel oder möglichst formelle Kommunikation stärkt den Zusammenhalt, sondern gerade beiläufiger, alltäglicher Austausch, kleine Geschichten, ein Hinweis, eine Frage, ein Dankeschön. Sobald eine Nachbarschaft ihre Gruppe dagegen wie ein reines Amtsblatt für offizielle Ankündigungen behandelte, kehrte sich dieser positive Effekt sogar um. Genau das ist es, was den Ton auf Hoplr so anders macht als auf Facebook: Man tauscht sich aus, weil man sich möglicherweise am nächsten Tag beim Einkaufen begegnet, nicht um im großen Strom Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Wenn du in Tulln wohnst und noch nicht dabei bist: Hoplr gibt es kostenlos für iPhone und für Android. Ein guter Ort, um dein direktes Miteinander digital zu stärken, ohne die Schattenseiten der großen Plattformen.

WhatsApp-Gruppen: was hilft, was schadet

Bei WhatsApp-Gruppen liegen Licht und Schatten oft noch näher beieinander als anderswo, weil hier private und organisatorische Kommunikation leicht ineinanderfließen und weil, anders als bei Facebook, kein sichtbarer Algorithmus, sondern das tatsächliche Verhalten der Mitglieder selbst darüber entscheidet, wie sich eine Gruppe anfühlt. Genau darin liegt aber auch ein eigenes Risiko: Der amerikanische Webexperte Jakob Nielsen hat bereits 2006 in einer bis heute vielzitierten Untersuchung eine Faustregel beschrieben, die sich praktisch in jeder Online-Gruppe wiederfindet, die je untersucht wurde, die sogenannte 90-9-1-Regel. Sie besagt: Rund 90 Prozent der Mitglieder lesen nur mit, ohne selbst je etwas beizutragen, 9 Prozent beteiligen sich gelegentlich, und gerade einmal 1 Prozent bestreitet den Großteil der gesamten Kommunikation. Wie konkret sich das auswirken kann, zeigt eine Studie der Sprachwissenschaftlerin Karina Frick aus dem Jahr 2024, die eine WhatsApp-Gruppe von elf jugendlichen Basketballerinnen über zehn Monate hinweg auswertete, insgesamt fast 9.500 Nachrichten. Zwei der elf Mädchen verfassten dabei allein mehr als die Hälfte aller Nachrichten, während andere gerade einmal zehn bis fünfzig Mal überhaupt etwas schrieben. Diese wenigen aktiven Stimmen bestimmten dabei nicht nur den Ton der Gruppe, sondern faktisch auch, wann ein Thema als beendet galt. Als ein Mädchen versuchte, ein neues Gesprächsthema einzubringen, wurde sie schlicht nicht beachtet, worauf sie sich zunehmend aus der Gruppe zurückzog. Genau das zeigt, wie leicht aus einer WhatsApp-Gruppe eine Bühne für wenige werden kann, während der Großteil nur stiller Zuschauer bleibt.

Gelungen ist eine WhatsApp-Gruppe meist dann, wenn von Anfang an klar ist, wofür sie da ist, zum Beispiel für eine bestimmte Straße, einen Verein oder eine Schulklasse, und wofür nicht. Wenn es jemanden gibt, der behutsam moderiert und dabei auch ruhigere Mitglieder aktiv miteinbezieht, wenn Nachrichten kurz und auf den Punkt bleiben und wenn Rücksicht auf Uhrzeiten genommen wird.

Weniger gut läuft es, wenn eine Gruppe ohne erkennbaren Zweck einfach wächst und wächst, wenn sie mit Kettenbriefen, Werbung oder endlosen Ich-auch-Nachrichten zugemüllt wird, wenn wenige immer denselben Ton angeben und den Rest der Gruppe verstummen lassen, oder wenn Konflikte, die eigentlich zwischen zwei Personen zu klären wären, plötzlich vor der ganzen Gruppe ausgetragen werden. Sehr schnell fühlen sich dann viele überfordert, schalten stumm oder verlassen die Gruppe ganz, und genau die Menschen, die man eigentlich erreichen wollte, sind nicht mehr dabei.

Auch hier kannst du selbst einiges beeinflussen. Bevor du auf Senden oder Weiterleiten drückst, lohnt sich kurz die Frage: Muss das jetzt, hier und für alle sein, und stimmt das eigentlich, was da steht? Und falls du selbst eine Gruppe gegründet hast, hilft es, die paar wichtigsten Regeln gleich zu Beginn kurz zu benennen, statt sie erst zu erfinden, wenn es schon kracht.

Begegnung im öffentlichen Raum

Auch abseits von Bildschirmen entscheidet sich, ob Miteinander gelingt oder eher zufällig bleibt. Der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg hat dafür in seinem inzwischen zum Klassiker gewordenen Buch „The Great Good Place“ einen eigenen Begriff geprägt: den „dritten Ort“. Neben dem eigenen Zuhause als erstem und dem Arbeitsplatz als zweitem Ort brauchen Menschen laut Oldenburg einen dritten, frei zugänglichen Ort, an dem sie sich ohne festen Anlass aufhalten und begegnen können, sei es ein Kaffeehaus, ein Marktplatz oder eine Parkbank. Solche Orte funktionieren nach seiner Beobachtung besonders gut, wenn sie neutral sind, also niemandem „gehören“, wenn dort soziale Unterschiede kaum eine Rolle spielen, wenn das Gespräch selbst im Mittelpunkt steht und wenn man auch ohne Verabredung auf vertraute Gesichter trifft.

Wie stark die Gestaltung eines Ortes das tatsächliche Verhalten der Menschen dort beeinflusst, hat der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl in seinem Standardwerk „Life Between Buildings“ eindrücklich beschrieben. Er unterscheidet drei Arten von Aktivitäten im öffentlichen Raum: notwendige, etwa der Weg zur Arbeit, optionale, etwa ein Spaziergang, und soziale, etwa ein Gespräch, das sich dabei zufällig ergibt. Seine zentrale Erkenntnis: Notwendige Aktivitäten finden so gut wie überall statt, ob der Ort einladend ist oder nicht. Optionale und soziale Aktivitäten dagegen, also genau jene, aus denen Miteinander entsteht, brechen in schlecht gestalteten Räumen fast vollständig weg und blühen in gut gestalteten Räumen regelrecht auf. Genau dieser Gedanke steckt übrigens auch hinter unserer Idee der Plauderbankerl: einfache Sitzgelegenheiten, die ganz bewusst zum Innehalten und Reden einladen, statt nur zum schnellen Vorbeigehen.

Das Gegenteil sind reine Durchgangsorte, an denen niemand zum Bleiben eingeladen ist, schlecht beleuchtete Ecken, die eher Unsicherheit auslösen, oder Orte, die so gestaltet sind, dass man sich dort nur mit einem Kaffee in der Hand aufhalten „darf“. Auch wir selbst tragen dazu bei, wie belebt oder unbelebt ein Ort wirkt: Kopfhörer im Ohr und Blick aufs Handy machen uns unnahbar, auch wenn wir das gar nicht so meinen.

Was hilft, ist oft ganz einfach: den Blick heben, grüßen, kurz stehen bleiben, wenn sich ein Gespräch anbietet. Und öffentliche Angebote wie Bänke, Feste oder Märkte tatsächlich zu nutzen, denn ein Ort lebt erst durch die Menschen, die ihn bespielen.

Fazit

Ob in der Vereinsgruppe, auf Facebook, in der WhatsApp-Gruppe oder am Marktplatz: Überall entscheiden dieselben, oft unsichtbaren Rahmenbedingungen darüber, ob aus einem Miteinander ein tragfähiger Strauch wird oder ob es verkümmert. Manche dieser Rahmenbedingungen liegen außerhalb unserer Hand, etwa wie ein Algorithmus programmiert ist oder wie ein Platz in unserer Stadt gestaltet wurde. Viele andere gestalten wir aber jeden Tag mit, durch das, was wir sagen, wie wir grüßen, welche Gruppen wir gründen, was wir weiterleiten und welchen Ton wir hineintragen. Interessanterweise zeigt sich dabei quer durch alle vier Bereiche ein ähnliches Muster: Es sind selten die großen, formellen Gesten, die Miteinander wachsen lassen, sondern die kleinen, beiläufigen Momente echten Austauschs.

Vielleicht schaust du in den nächsten Tagen einmal bewusst hin: Wo begegnest du anderen gerade wirklich, und wo nur nebenbei? Und welche dieser Rahmenbedingungen könntest du diese Woche selbst ein kleines Stück mitgestalten?