Wir alle kennen das: Man trifft sich „nur kurz“ – und zack, liegt das Handy am Tisch. Ein Foto hier, eine Nachricht dort, kurz etwas nachschauen … und plötzlich sind zwar alle anwesend, aber nicht mehr wirklich da.
Dabei entsteht echtes Miteinander genau in diesen unscheinbaren Momenten: wenn wir gemeinsam lachen, still werden, etwas ausprobieren, uns gegenseitig überraschen – und dabei nicht dauernd unterbrochen werden. Handy weg heißt nicht „gegen Technik“, sondern für Beziehung: mehr Aufmerksamkeit, mehr echtes Zuhören, mehr gemeinsames Erleben, das hängen bleibt.
Damit es leicht wird, hier ein Mini-Ritual für eure „Handy-weg-Zeit“:
- Handys in den Flugmodus (oder „Nicht stören“)
- Handy-Parkplatz (Schublade, Tasche, Box – außer Sichtweite!)
- Klare Dauer (z. B. 60 oder 90 Minuten)
Am Ende könnt ihr immer noch ein gemeinsames Foto machen – als Abschluss, nicht als Begleitung.
Und jetzt: 15 Inspirationen, die ihr sofort nachmachen könnt
– zu zweit, mit Freund*innen, als Familie oder auch in einer kleinen Runde.
Kochduell „3 Zutaten“
Jeder wählt heimlich drei Zutaten aus (am Markt oder im Supermarkt) – wichtig: keine „fertigen“ Komplettgerichte, sondern echte Basics wie Gemüse, Käse, Kräuter, Pasta, Eier usw. Zuhause werden die Zutaten gleichzeitig ausgepackt und ihr überlegt: Was lässt sich daraus machen? Entweder kocht ihr gemeinsam ein Gericht, das beide Zutaten-Sets integriert – oder ihr macht ein Mini-Duell (jeder kocht aus den eigenen Zutaten). Handy bleibt weg: Rezepte sind erlaubt, aber nur aus dem Kopf oder aus einem Kochbuch. Am Ende verkostet ihr gemeinsam und gebt euch „Awards“ (kreativstes Gericht, beste Würzung, schönste Optik).
Vinyl- oder CD-Hör-Party
Wählt vorher ein Album aus (oder jede*r bringt eines mit und ihr entscheidet per Münzwurf). Macht es gemütlich: Kissen am Boden, gedimmtes Licht, ein paar Snacks oder Mocktails. Dann läuft das Album von Track 1 bis Ende – ohne Skippen. Danach kommt die „Nachbesprechung“: Welche Stelle hat dich berührt, welcher Song hat überrascht, welches Gefühl blieb hängen? Wenn ihr keinen Plattenspieler habt: CD oder sogar ein ganzes Album via Lautsprecher ist genauso okay – Hauptsache, kein Scrollen nebenbei und kein Skippen.
Tausch- und Reparatur-Nachmittag
Jede*r bringt 1–3 Dinge mit, die repariert, geflickt oder „verschönert“ werden können: Knopf annähen, Saum fixieren, lose Schraube, wackelnder Stuhl, kleiner Riss, kaputter Reißverschluss (oder zumindest „erste Hilfe“). Legt euch Basics bereit: Nadel & Faden, Schere, Kleber, Tape, kleines Werkzeug – und macht eine gemütliche Werkstatt-Atmosphäre mit Tee und Musik. Wer etwas gut kann, zeigt es den anderen; wer’s nicht kann, lernt’s in Mini-Schritten. Alternativ oder zusätzlich könnt ihr tauschen: „Das steht bei mir nur herum, magst du’s haben?“ Am Ende habt ihr nicht nur erledigte Dinge, sondern auch das gute Gefühl: gemeinsam wirksam gewesen zu sein.
Buch-Überraschung
Geht gemeinsam in eine Buchhandlung oder in die Stadtbücherei Tulln und vereinbart: Jede*r sucht für die andere Person ein Buch aus – heimlich und nach Bauchgefühl. Hilfreich ist ein Mini-Rahmen: z. B. „nicht länger als 300 Seiten“ oder „etwas Leichtes für zwischendurch“ oder „ein Sachbuch, das dich interessieren könnte“. Danach setzt ihr euch in ein Café oder an einen ruhigen Platz und lest 20–30 Minuten einfach nebeneinander. Anschließend teilt ihr kurz: Was hat euch neugierig gemacht? Ihr müsst nicht „über Literatur diskutieren“ – oft reicht schon: „Der Stil fühlt sich gut an“ oder „Die erste Szene war spannend“. Wenn das Buch ein Volltreffer ist, könnt ihr daraus auch ein kleines Leseprojekt machen.
Sonnenuntergangs-Date mit Thermoskanne
Sucht euch einen schönen Ort zum Beispiel an der Donaulände, an dem man gut sitzen und schauen kann (Donau, Park, Feldrand, Bankerl – wo es für euch passt). Nehmt eine Thermoskanne mit Tee oder Kakao und vielleicht eine Decke, damit es wirklich gemütlich wird. Vereinbart: Die Handys bleiben in der Tasche, außer für ein einziges Foto ganz am Schluss. Setzt euch hin und schaut einfach – ohne „Programm“. Wer reden mag, redet; wer still sein mag, ist still. Das klingt simpel, ist aber oft genau das, was im Alltag zu kurz kommt.
Foto-Walk mit Polaroid oder Filmkamera
Nehmt bewusst eine Kamera mit, die nicht euer Handy ist (Polaroid, Einwegkamera, alte Digitalkamera – alles funktioniert). Legt vorab ein Thema fest, z. B. „Lieblingsfarben“, „Türklinken & Details“, „Blumen“, „Tiere“, „Spuren im Alltag“. Dann geht ihr los und fotografiert langsam: wirklich stehen bleiben, schauen, auswählen, klicken. Besonders schön: gegenseitig Portraits machen – ungestellt, mitten im Gehen, beim Lachen. Am Ende könnt ihr die Bilder sammeln, aufhängen oder in ein kleines Album kleben. Das Ergebnis ist weniger „perfekt“, aber viel echter.
Activity-Spielabend (zeichnen, raten, lachen)
Alles, was ihr braucht, ist ein Activity-Set (oder ein ähnliches Spiel) und ein Tisch oder Bodenplatz. Teilt euch in Teams oder spielt zu zweit gegeneinander – je nachdem, wie viele ihr seid. Der Kern: Begriffe müssen erklärt werden – mal durch Zeichnen, mal durch Pantomime, mal durch Umschreiben. Genau das macht’s so gut: Man kommt ins Tun, lacht viel und erlebt sich als Team. Setzt euch eine klare Spielzeit (z. B. 60 Minuten), damit es leicht bleibt. Bonus: Eine kurze „Sieger*innen“-Runde am Ende mit einem kleinen Preis (z. B. wer abräumt, bekommt das letzte Stück Schokolade).
Snail-Mail-Date (Briefe & Postkarten)
Legt euch schönes Papier, Postkarten, Kuverts und gute Stifte bereit – und macht daraus ein kleines Ritual. Jede*r wählt 1–3 Menschen aus, denen man wieder schreiben wollte: Oma, Freundin, ehemaliger Kollege, Patin, Nachbar. Dann schreibt ihr wirklich persönlich: nicht nur „Liebe Grüße“, sondern ein paar echte Zeilen – was ihr schätzt, woran ihr denkt, was ihr wünscht. Wer mag, kann es kreativ gestalten (Sticker, kleine Zeichnung, ein Spruch). Danach wird gemeinsam adressiert und „versandfertig“ gemacht – der gemeinsame Abschluss zählt. Und ja: Das fühlt sich erstaunlich gut an.
Markt-Bummel + Kochen ohne TikTok
Geht gemeinsam einkaufen – am besten über einen Markt (z. B. Naschmarkt am Freitag am Hauptplatz oder Bauernmarkt oder Biobauernmarkt am Samstag) oder in einen Laden, wo es viel Auswahl gibt. Ziel ist nicht „schnell alles erledigen“, sondern bewusst auswählen: Was schaut gut aus, worauf habt ihr Lust, was passt zusammen? Danach kocht ihr zuhause ohne Handy-Videos – erlaubt sind Bauchgefühl, Gespräch und vielleicht ein Kochbuch oder ein Rezept ausgedruckt. Macht es einfach: ein Gericht, das ihr gemeinsam gut hinbekommt (z. B. Pasta + Gemüse, Curry, Ofengemüse, Suppe, Salat + etwas Warmes). Das Gemeinsame ist der Punkt: schneiden, kosten, würzen, lachen. Am Ende esst ihr langsam und merkt: So entsteht Miteinander fast von selbst.
Wahrheit-oder-Pflicht
Vereinbart zuerst die Spielregel: Keine Bloßstellungen, nichts, was Grenzen überschreitet – neugierig, respektvoll und lustig. Wenn ihr wollt, nehmt ein Gesprächskartenset, dann wird es automatisch „sanfter“. „Wahrheit“ kann z. B. sein: „Worauf bist du gerade stolz?“ oder „Was hat dich zuletzt berührt?“ – und „Pflicht“ eher kleine Challenges: „Mach mir ein Kompliment, das wirklich stimmt“ oder „Erzähl eine Geschichte aus deiner Kindheit“. Ihr könnt auch „Pflicht“ in „Mutprobe“ umbenennen – das klingt spielerischer. Das Ziel ist nicht Drama, sondern Nähe und Lachen. Und wer etwas nicht machen will, darf passen – ohne Diskussion.
Aquarell & Musik
Besorgt Aquarellfarben (oder Wasserfarben), Papier, Pinsel und ein Glas Wasser – mehr braucht es nicht. Legt Musik auf und macht euch einen kleinen Snack bereit. Dann malt ihr einfach los: abstrakte Farbflächen, Postkarten, kleine Landschaften, Muster – völlig egal, wie „gut“ es aussieht. Schön ist ein gemeinsames Thema: „Tulln in Farben“, „Sommer am Wasser“, „Unser perfekter Samstag“. Wenn jemand unsicher ist: Startet mit nur drei Farben – das nimmt Druck raus. Am Ende könnt ihr die Bilder trocknen lassen und eine kleine „Galerie“ machen.
Brettspiel- & Puzzleabend
Wählt ein Spiel, das zu eurer Gruppe passt: kooperativ (ihr gegen das Spiel), kompetitiv oder einfach lustig. Legt vorher fest, wie lange ihr spielen wollt, damit es nicht „ausfranst“ – z. B. zwei Runden oder 90 Minuten. Wenn ihr puzzelt, nehmt ein überschaubares Puzzle (300–500 Teile) und macht es gemütlich mit Snacks und Musik. Wer lieber raus will: Schaut, ob ihr den Spieletreff besuchen könnt – dort ist es leicht, neue Menschen kennenzulernen, ohne Smalltalk-Druck. Das Handy bleibt weg, weil der Fokus auf dem Tisch liegt. Und genau das macht’s so entlastend.
Analoge-Tasche-Treffen an Donaulände/Nibelungenplatz
Packt eine Tasche, als würdet ihr in eine „langsamen Nachmittag“-Welt reisen: Notizbuch, Stifte, Rätselheft, Postkarten, ein kleines Buch, vielleicht ein Kartenspiel. Dann setzt ihr euch an die Donaulände oder zum Nibelungenplatz und macht bewusst nichts „Produktives“. Ihr könnt schreiben, zeichnen, rätseln, lesen oder einfach schauen – alleine und doch gemeinsam. Wenn ihr zu zweit seid: Tauscht zwischendurch kurz, was ihr gerade macht oder entdeckt habt. Das ist wie ein Mini-Urlaub ohne Koffer. Und die Zeit fühlt sich danach oft länger an, als sie war.
Vorlese- oder Geschichtenabend
Jede*r bringt einen kurzen Text mit (ein paar Absätze reichen): eine Buchstelle, ein Artikel, ein Gedicht – oder erzählt eine echte Geschichte aus dem eigenen Leben. Der Ablauf ist simpel: Eine Person liest/erzählt, die anderen hören zu – ohne Unterbrechung. Danach stellt ihr nur eine Frage: „Was hat dich daran berührt / überrascht / zum Nachdenken gebracht?“ – keine Diskussion, kein „Besserwissen“. Das schafft eine besondere Atmosphäre, weil Zuhören wieder zum Erlebnis wird. Optional: Kerzen, Tee, kuschelige Decken – das macht’s noch runder. Perfekt für einen ruhigen Abend.
„Gute-Tat“-Walk
Vereinbart eine kleine Mission, die in 30–60 Minuten machbar ist: Müll sammeln mit Sackerl, jemandem im Grätzl helfen, einen freundlichen Zettel schreiben, etwas vorbeibringen, eine Nachbarin fragen, ob sie etwas braucht. Wichtig: klein halten – es geht nicht um Heldentum, sondern um „ein bisschen besser machen“. Während ihr geht, bleibt das Handy weg, damit ihr wirklich da seid und euch austauscht. Oft entstehen dabei die besten Gespräche ganz nebenbei. Und ihr nehmt das Gefühl mit: Wir können im Kleinen etwas bewirken. Genau das ist Miteinander.
Kleiner Impuls zum Schluss
Wählt eine Idee aus und macht sie diese Woche fix. Nicht „irgendwann“. Sondern: Dienstag 19:00 oder Freitag nach dem Markt.
Und wenn ihr mögt: Erzählt anderen davon – damit „Handy weg & was erleben“ in Tulln (und überall) wieder mehr Platz bekommt. 💛