Beim Reden kommen die Leute zusammen, aber nicht nur: Geselligkeit in jeder Form schafft einen guten Rahmen, um sich kennen zu lernen, Neues zu erfahren und bestehende Beziehungen zu pflegen. Es verwundert daher nicht, dass in Tulln die Grätzlfeste zu einer beliebten Tradition geworden sind und rund 30 Stück pro Jahr von Bürger*innen veranstaltet werden. Als wir vor zwei Jahren neu in die Gunthergasse gezogen sind, war das Grätzlfest vor und in unserer Garage ein Türöffner: wir konnten unsere Nachbarinnen und Nachbarn in entspannter Atmosphäre treffen, konnten die Vergangenheit der Nachbarschaft kennenlernen und Bezugspunkte schließen. Das war ein guter Start in der neuen Umgebung. Heuer gab es viele Veränderungen in der Gasse. Grund genug, um zu sagen: lass uns wieder ein Grätzlfest veranstalten! Und so erzähle ich heute vom Fest, wie es von den Gästen empfunden wurde, was es bewirkt hat und wie auch du ganz einfach ein Grätzlfest in deiner Nachbarschaft ins Leben rufen kannst!
Unser Grätzlfest im Dezember
Klarerweise bietet sich vor allem die warme Jahreszeit für Gassenfeste an. Da lässt es sich gemütlich draußen sitzen und endlos plaudern. Doch wir fanden: so ein Fest im Winter hat auch seinen Charme! Im Dezember eilen viele von Punschstand zu Punschstand, doch wirklich ganz kurz vor Weihnachten, sind fast alle zuhause, putzen den Baum auf oder dekorieren die Häuser. Das schien uns der geeignete Zeitpunkt. So schrieben wir ein Grätzlfest für 22. Dezember aus. Mutig und dennoch erfolgsversprechend.
Nicht immer muss es ein Riesenaufwand sein!
Da es fürs Sitzen sowieso zu kalt war, bekamen wir von der Stadtgemeinde Stehtische und drei Heurigengarnituren fürs Buffet geliefert. Die Heurigenbänke stellten wir seitlich in unserer Garage auf, damit man sich zwischenzeitlich ausrasten kann. Die Stehtische drapierten wir mit netten Servietten und Kerzen. Sie standen teilweise unter Dach, teilweise im unserer Garage vorgelagerten Partyzelt. Dieses ist ebenfalls eine Leihgabe der Stadt und sehr praktisch, wenn das Wetter nicht hundertprozentig mitspielt. Mit dem Einkaufsbudget von EUR 150 kauften wir die Basisausstattung für das Fest: Zutaten für warme Getränke, kalte Getränke und Snacks. Auf unserer Einladung baten wir Nachbar*innen gerne etwas fürs Buffet mitzunehmen.
Die Einladungen teilten wir bei einer regulären Hunderunde im Grätzl aus. Und hier orten wir Verbesserungspotential fürs nächste Mal: Da das Wetter sehr feucht war, gerieten die Papiereinladungen in Gefahr. Wir werden wohl versuchen alle unsere Nachbar*innen zu motivieren der neuen Nachbarschafts-App „Hoplr“ beizutreten, damit wir die Einladungen einfach und bequem auch digital versenden können. Die App wird in den nächsten Wochen für das gesamte Stadtgemeinde Tulln Gebiet verfügbar sein. (Apple Store oder Google Playstore)
Auf die Party, fertig und los!
Das Grätzlfest selbst wurde ein voller Erfolg. Die meisten Nachbar*innen, vor allem die neu hinzugezogenen Nachbar*innen kamen zum Fest. Es war ein freudvoller, lustiger Austausch über alte Geschichten in der Gasse – wir scheinen in einer feierfreudigen Gegend zu leben :)) – Anekdoten was schon alles hier passiert ist und News über die Renovierungsarbeiten und Baustellen der jungen Leute, die frisch am Herziehen waren. Die Truppe an Nachbar*innen war erfrischend verschieden: Alter, wie lange man schon in Tulln lebt, Nationalitäten, Berufe, etc. alles unterschiedlich und das war herrlich.
Das gemütliche Punsch und Teetrinken, die unterschiedlichen Kekserl und Kuchen, die gebracht und verkostet wurden, die netten Gespräche – all das bleibt in Erinnerung. Die Gasse war sich sicher: das bleibt nicht das letzte Grätzlfest! Erst kürzlich traf ich eine Nachbarin, die meinte: im Sommer kommt’s dann alle zu uns!
Was bleibt vom Grätzlfest?
Es bleiben nicht nur die vergessenen Keksdosen oder Kuchentabletts vom Grätzlfest, sondern etwas das viel viel wichtiger ist: Verbundenheit. Man kennt sich, man weiß wer daneben wohnt, im Notfall traut man sich anläuten… man kennt die Geschichten von einander, man hat Vertrauen gefasst. Bei den neuen Nachbar*innen, die die alten Häuser umbauen zeigt man viel mehr Verständnis, wenn es mal lauter ist und gestemmt wird. Man weiß, sie bemühen sich alles schnell umzusetzen. Lautstärke wird sehr relativ, wenn man sich gut kennt und mag.
Unser Fazit: wir werden diese liebe Tradition fortführen und gegen Weihnachten zu uns in und vor die Garage einladen!
Und du? Wie könntest du dein erstes Grätzlfest starten?
Im Prinzip ist es ganz einfach: überleg dir einen geeigneten Zeitpunkt und starte überschaubar: deine Garage oder die Gasse vor deinem Haus (die von der Stadtgemeinde kostenfrei gesperrt würde) oder der Innenhof deiner Wohnhausanlage.
Dann füllst du das Antragsformular der Stadtgemeinde Tulln aus und legst darin fest wie viel Material (zB Heurigengarnituren oder Stehtische) du benötigen würdest. Die Mitarbeitenden des Bauhofs setzen sich mit dir in Verbindung wegen Lieferung und Abholung. Auch ein Partyzelt steht zur Verfügung. Wir haben das gesamte Prozedere auf dieser Seite zusammengefasst. Klick hier.
Und dann braucht es eigentlich nur noch eines: Offenheit und echtes Interesse an den Menschen, die im eigenen Grätzl wohnen. Du wirst sehen, eine Einladung bewirkt Wunder und stellt eine noch bessere nachbarschaftliche Beziehung her!
Bin schon gespannt, wie dein erstes Grätzlfest gelingt!